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Faust als Goetheanist - ein Vortrag von Michael Rheinheimer, 2026
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Den nachfolgenden Vortrag hielt Michael Rheinheimer, Priester der Christengemeinschaft Bonn/Bad Godesberg am 5.11.2026 - zu Gast bei der Goetheanistisch-Anthroposophischen Vortragsinitiative von Maria Marg und Ulrich Roehm in der Kapelle des ChorForum Essen.
Film und Schnitt von François Hagdorn.
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Transkription des Vortrags vom 5. November 2026
Transkript und Glossar von Elke J., November 2026
Begrüßung 00:00:17
Ja, verehrte liebe Anwesende, herzlichen Dank für die Einladung. Ich freue mich ganz besonders, diesen Vortrag Faust als Götianist in der Goetheanistisch -Anthroposophischen Vortragsinitiative zu halten.
Der 9. November – ein Schicksalstag der Deutschen 00:00:31
Und ich freue mich ganz besonders, ihn in dieser Zeit zu halten, Anfang November, im Zugehen auf den 9. November, den sogenannten Schicksalstag der Deutschen.
Ich weiß nicht, ob Ihnen das bekannt ist: Rudolf Steiner hat mal Johanna von Kaiserling etwas über diesen 9. November verraten und hat gesagt, der 9. November, das ist der „Tag des Ganges Faustens zu den Urmüttern“, wo Faust den Schlüssel gefunden hat ins Reich des Lebendigen, in das Reich der Urbilder. Man könnte vielleicht sagen, 40 Tage nach Michaeli, ja, da kommen wir im Jahreslauf in eine faustische Festeszeit. Es gibt eine faustische Festeszeit im Jahreslauf. Die darf man auch mal feiern, die darf man auch mal bedenken. Und insofern ist es vielleicht sehr passend, nicht nur in der Goetheanistisch -Anthroposophischen Vortragsinitiative, sondern im Zugehen auf den 9. November diesen Vortrag „Faust als Goetheanist“ zu halten.
„Rudolf Steiner hat mal Johanna von Kaiserling […] gesagt, der 9. November, das ist der „Tag des Ganges Faustens zu den Urmüttern“, wo Faust den Schlüssel gefunden hat ins Reich des Lebendigen, in das Reich der Urbilder“ | Rheinheimer, M. Faust als Goetheanist, 2026, 00:00:31 […] …
Was ist Goetheanismus? 00:00:
Ich habe schon gemerkt, dass dieser Titel immer dann, wenn Leute ihn hören, ein gewisses Schmunzeln oder vielleicht sogar ein Lächeln auf das Antlitz vieler Menschen zaubert. Ich meine das durchaus ernst - Faust als Goetheanist. Manche Menschen denken, Goethe ist ja vor allem ein Dichter gewesen, der so ein paar Hobbys hatte. So Botanik oder so. Gut - Rudolf Steiner hat auch die naturwissenschaftlichen Schriften herausgegeben.
Es gibt aber immer wieder Menschen, die nehmen das gar nicht so ernst, so erfabelte gewiss in letzten Zügen, um das mit dem Faust zu sagen. Und ich glaube, der Faust selber beweist uns aber, dass man das bei Goethe gar nicht trennen kann. Denn ich - und das würde ich heute Abend gerne darstellen - bin der festen Überzeugung, dass Goethe mit dem Faust das Mysteriendrama des Goetheanismus geschrieben hat.
Faust 1 und 2, diese beiden Teile von Johann Wolfgang von Goethe, ist das Mysteriendrama des Goetheanismus. Was ist Goetheanismus? Kann das jemand sagen? Haben die meisten wahrscheinlich schon mal gehört. Irgendwas Gutes wahrscheinlich.
Vorläufer von der Anthroposophie, ja. Würde ich jetzt nicht widersprechen. Ich habe selber gemerkt in der Vorbereitung auf diesen Vortrag, dass es mir nicht hilft, jetzt erst mal zu lesen, wie andere das definieren.
Ich musste so ein bisschen meine eigenen Worte dafür finden. Götianismus könnte man sagen, ist eine Wissenschaftsmethode, die versucht, um es mit dem Faust zu sagen, das, was die Welt im Innersten zusammenhält. Nicht durch Spekulation, durch Hypothese, durch Vorstellungsmodelle zu erfassen und damit nur zum Augenblicke zu sagen, verweile doch, du bist so schön.
Sondern Götianismus versucht, das, was die Welt im Innersten zusammenhält, durch reine Wahrnehmung, durch vorurteilsloses Anschauen so beobachten zu können, dass ein Raum entsteht, in dem sich das Wesen der Dinge aus sich selbst heraus offenbaren kann. Oder vielleicht, um das mit den drei Erzengeln zu sagen, dass die Schöpfung, die herrlich ist wie am ersten Tag, dem Anblick der Menschen, die so ein götianistisches Wahrnehmungsorgan aus sich erbildet haben, Stärke geben kann. Also Götianismus, das Erste, was wir heute Abend festhalten, ist eine Wissenschaftsmethode.
Goethe selber hat das Anschauende Urteilskraft genannt, als Gegenbild zur Vorstellenden Urteilskraft und Schiller hat ihm mal attestiert, dass er tatsächlich so ein Wahrnehmungsorgan ausgebildet hat. Er hat gesagt, ihr stiller, reiner und beobachtender Blick, ein stiller, reiner und beobachtender Blick, der auf den Dingen ruht, ohne willkürlich da auf Abwege zu geraten und in eine sich selbst gehorchende Einbildungskraft zu verfallen. Ja, kennen wir, glaube ich, alle schnell.
Also so ein stiller, reiner, beobachtender Blick. Goethe selber hat für mich den schönsten Begriff, was Götianismus sein könnte, geprägt. Er hat mal gesagt, werdendes Betrachten.
Das ist ein schönes Wort. Werdendes Betrachten, nicht Urteilendes Betrachten, sagt er in seiner Metamorphose der Pflanze. Werden betrachte sie nun, wie nach und nach sich die Pflanze stufenweise geführt bildet zu Blüten und Frucht.
Indem Goethe gelernt hat, dass stufenweise geführt werden einer Pflanze zu Blüten und Frucht, diesen Werdezuprozess zu betrachten, hat er festgestellt, wenn man das Werden betrachtet, dann wird man im Betrachten des Werdenden selber Werden betrachten. Das ist vielleicht Goetheanismus. Vielleicht ist der eine oder andere jetzt schon aber auch aus der Kurve geflogen und sagen, boah, das klingt aber wahnsinnig kompliziert.
Können wir ganz schnell wieder auf den Teppich runterholen. Ich glaube, dass wir das als ganz kleine Kinder alle gekonnt haben. Ich glaube, bis ins erste, zweite Lebensjahr, vielleicht so bis zu dem Moment, wo wir alle unser Erinnerungsvermögen ausgebildet haben.
Da konnten wir alle Werden betrachten. Da hatten wir alle einen stillen, reinen und beobachtenden Blick, der auf Dingen geruht hat, ohne in eine sich selbst gehorchende Einbildungskraft zu verfallen. Ich habe das neulich mal ganz konkret erlebt.
Da habe ich jemanden besucht, der hat ein kleines Kind, noch nicht mal ein Jahr alt und das Kind hatte mich noch nie gesehen. Das Kind in dem Alter kann ja nicht sagen, blonde Männer, Mitte 40, so mit leichtem Bauchansatz. Das war mir schon immer so ein bisschen Suspekt.
Ich mag den mal nicht. Das kann das Kind nicht, weil es kein Erinnerungsvermögen hat. Das Kind in diesem Alter hat nur eine Chance, zu einer wesensmäßigen Beziehung zur Welt oder zu den Dingen zu kommen, indem es sozusagen vorurteilslos das anschaut, Werden betrachtet und versucht, so eine wesensmäßige Beziehung zu dem Gegenstand zu bekommen, das sozusagen vor seine Anschauung tritt.
Und spätestens dann, wenn unser Erinnerungsvermögen einsetzt, verlieren wir ziemlich schnell die Lust, Werden zu betrachten, weil das ja total anstrengend ist. Da muss sich ja immer alles in der Welt, was sich ständig verändert, selber Werden mit betrachten. Stellen Sie sich das mal vor.
Und da kommt Mephisto an uns ran mit einer verführerischen, vielleicht kann man sogar wetten, dass er sagt, du kannst ja zu jedem Augenblick, den du als Mensch siehst, den musst du ja nicht Werden betrachten, sondern du kannst dir immer zum Augenblick sagen, verweile doch, du bist so schön. Indem du einen Aspekt eines stufenweisen Geführtwerdens sozusagen herausgreifst, mit einem Begriff belegst, den in deinem Erinnerungsvermögen abspeicherst und dann, wenn du diesem Gegenstand wieder neu begegnest, ihn mit diesem Begriff, den du von dem Augenblick hast, wo du gesagt hast, verweile doch, du bist so schön, wieder in deiner Erinnerung hervorholst. Also ich behaupte, sozial machen wir das ständig.
Die meisten Menschen, die wir so kennen, zu dem haben wir ja irgendein Urteil. Also irgendwie haben wir ja eine Wahrnehmung von denen. Also wenn sie einen Menschen zum Beispiel bewundern, was sie ja hoffentlich tun, dass sie solche Menschen kennen, dann sehen sie den immer zu positiv.
Immer. Weil auch ein Mensch, den sie zu Recht bewundern, hat garantiert Seiten, die wahrscheinlich sehr düster sind, die sehen sie halt nicht. Und wenn sie einen Menschen verabscheuen aufgrund von bestimmten Taten, die er getan hat, sehen sie ihn immer zu negativ.
Weil auch so ein Mensch, ein Verbrecher zum Beispiel, hat einen Engel und hat ein Karma und das Schicksal oder das Karma und der Engel eines solchen Menschen haben längst begonnen, schon wieder Entwicklungsschritte in sein Schicksal hineinzuweben, die ja vielleicht erst in einem überüberliegsten Leben greifen können, aber die jetzt schon dazu angedacht sind, dass auch so ein Mensch sich einmal sozusagen entwickeln kann. Und das sieht man halt auch nicht, wenn man ein Urteil hat, weil man eben einfach gerne zum Augenblick gesagt, verweile doch, du bist so schön. Und wahrscheinlich muss man knallhart sagen, die Summe unserer Urteile, die Summe unserer Vorstellungen, die Summe unseres Wissens oder die Summe dessen, was wir vielleicht Lebenserfahrung nennen, die besteht aus Augenblicken, zu denen wir gesagt haben, verweile doch, du bist so schön.
Und natürlich können wir unser Leben so leben, dass wir das selber gar nicht bemerken. Deswegen heißt es ja im Evangelium, werdet wie die Kindlein. Das ist ja nicht gesagt, werdet wieder kindisch, sondern vielleicht so dieses Wahrnehmungsorgan, dieses stillen, rein beobachtenden Blickes, dieses Werden betrachtend ausbilden zu lernen, was wir ja vielleicht so bis ins erste, zweite Lebensjahr alle als Menschen gehabt haben.
Nun geht es ja heute Abend um den Faust und beim Faust können wir sagen, das ist ein Mensch, der ist sich seiner Tollheit zumindest halbbewusst. Das wird gesagt schon im Prolog im Himmel, der ist sich seiner Tollheit halbbewusst. Der Faust hat innerlich bemerkt, dass man mit Wissen, mit dem, was er als Frage hat, was die Welt im Innersten zusammenhält, dass man mit Wissen das nicht erkennen kann.
Der Faust sagt am Anfang, ich sehe, dass wir nichts wissen können. Also der Faust weiß ja alles. Der hat auch ganz viel wahrscheinlich schon erfahren.
Habe nun, ach, Philosophie, Juristerei, Theologie, vielleicht müsste man heute sagen und leider auch die ganze GA, durchaus studiert, in heißem Bemühen. Da stehe ich nun, ich Amateur und bin so schlau als wie zuvor. Der Faust würde das merken.
Wagner, sein Assistent, der wird es wahrscheinlich nicht merken. Der sagt, zwar weiß ich viel, doch möchte ich alles wissen. Anthroposophie als Wissen in sich reinschaufeln.
Wenn ich alles von Steiner gelesen habe, weiß ich doch, was die Welt im Innersten zusammenhält. Faust sagt, nein, ich kann das alles wissen und trotzdem sehe ich erstmal, dass wir nichts wissen können. Und das kann man sagen, Faust als, Sie merken, so lustig ist der Titel gar nicht.
Faust als Mysteriendrama des Goetheanismus. Ich versuche eigentlich nur aus dem Faust das selber herauszuholen, was Goethe dort selber hineingelegt hat. Und das Geniale, finde ich, der Faust hat ja eine Frage, wie ich schon sagte, was die Welt im Innersten zusammenhält.
Und ich weiß nicht, wie Ihnen das gegangen ist. Sie alle haben das Stück vielleicht mal gelesen, vielleicht am Goetheanum gesehen, vielleicht im Stadttheater gesehen. Wenn man das noch gar nicht kennt, dann denkt man ja, naja, vielleicht kriegt man ja irgendwann die Antwort drauf, was die Welt im Innersten zusammenhält.
Und der Faust tritt irgendwann auf und schreibt sozusagen an die Tafel so eine Art Weltformel. So E ist gleich mc² oder so. Oder irgendwas halt, dass man halt mal weiß, was die Welt im Innersten zusammenhält.
Das macht er ja nicht. Das wird im Stück nicht gesagt, vermutlich weil Goethe weiß, wenn er uns das einfach so sagen würde, dann würden wir als Leser oder als Zuschauer das als Wissen abspeichern. Das heißt aber nicht, dass Goethe uns nicht die Antwort gibt, was die Welt im Innersten zusammenhält.
Das tut er aber nicht, indem er uns das sagt, sondern indem er uns das zeigt. Und das können wir, glaube ich, im Faust nur entdecken, wenn wir den Faust nicht nur als Goetheanisten wahrnehmen, sondern wenn wir selber goetheanistisch den Faust beobachten, aus einem stillen, reinen, beobachtenden Blick, aus Anschauen der Urteilskraft, aus einem werdenden Betrachten, dann erfahren wir, was Goethe uns selber sagen will, was die Welt im Innersten zusammenhält. Denn der Faust hat eine Pointe.
Ich weiß nicht, ob Ihnen das schon mal aufgefallen ist. Der schließt ja mit Mephisto eine Wette ab, mit drei Topfen Blut, und dann sagt der Faust selber, werde ich zum Augenblicke sagen, verweile doch, du bist so schön, dann will ich gern zugrunde gehen. Und da ist jetzt die Frage, wenn man so diese Hypothese, die er uns da so mitgibt, wenn man die einfach so von ihm übernimmt, dann guckt man den Faust so an und wartet darauf, dass der irgendwann sagt, verweile doch, du bist so schön, dann reckt Mephisto die Hände in die Luft und sagt, ich habe gewonnen.
Das passiert ja nicht. Das heißt aber nicht, dass der Faust nicht sagt, verweile doch, du bist so schön. Das macht er pro Szene 20 Mal, indem er Hypothesen, Urteile aufstellt.
Faust ist einerseits ein begnadeter Goetheanist, der hat teilweise diese anschauende Urteilskraft. Denken Sie mal an den Osterspaziergang, wo Faust nach draußen in die Natur geht. Vom Eise befreit sind Strom und Bäche.
Durch des Frühlings holdenbelebenden Blick im Tale grünet Hoffnungsglück. Der alte Winter in seiner Schwäche zog sich in raue Berge zurück. Von dort her sendet er fliehend nur ohnmächtige Schauer körnigen Eises.
Überall regt sich Bildung und Streben. Das ist reinster Goetheanismus. Das ist werdendes Betrachten.
Das ist anschauende Urteilskraft. Das ist ein stiller, reiner, beobachtender Blick, der aus einem vorurteilslosen Wahrnehmen die Osterkräfte in der Natur, in den Festen, in den Menschen selber wahrnehmen kann. Und dann in der nächsten Szene, Faust im Studierzimmer, da will er den Prolog des Johannesevangeliums ins Deutsche übersetzen.
Und was sagt er da? Ich kann das Wort so hoch unmöglich schätzen. Ich bin schlauer als der Logos. Dazu kann ein Mensch die Spekulation führen.
Ich muss es anders übersetzen. Am Anfang war die reinste Spekulation, reinste Hypothese, Wissenschaftsmodelle eine sich selbst gehorchende Einbildungskraft. Und Faust, der gerade die Logos-Kräfte in der Natur werdend, betrachtend wahrnehmen konnte, im nächsten Moment fällt er in dieses Prinzip der Spekulation zurück.
Und dann hat er zum Augenblick gesagt, verweile doch, du bist so schön. Das haben wir auch am Anfang des zweiten Teiles des Faustes. Dieser wunderbare Monolog des Lebens, Pulse schlagen frisch, lebendig, ätherische Dämmerung milde zu begrüßen.
Du, Erde, warst auch diese Nacht beständig und atmest neuerquickt zu meinen Füßen. Hinaufgeschaut, sagt er dann, und der Wasserspiel, das Felsenriff umbrausend, Schaum an Schäume sausend am Ende, am farbigen Abglanz, haben wir das Leben. Das ist werdendes Betrachten, anschauende Urteilskraft, reinster Goetheanismus.
Und dann denken sie, Faust, in der Szene mit dem Gretchen, Faust, wie hältst du es mit der Religion? Was sagt er? Der Allerhalter, der Allverwalter, hält er nicht dich, mich, sich selbst? Ist Gott nicht da droben, ist er nicht hier unten? Totale Phrasen, Hypothesen, Spekulationen, sich selbst gehorchende Einbildungskraft, ein Konglomerat von Augenblicken, zu denen Faust gesagt hat, verweile doch, du bist zu schön. Und obwohl man in jeder Szene das mit einem dicken Stift mitschreiben kann, wann Faust die Wette gegen Mephisto verliert, weil er hinter sein eigenes Wahrnehmungsideal durch werdendes Betrachten zu erfahren, was die Welt im Innersten zusammenfällt, immer wieder zurückfällt, geht das Stückwerk trotzdem weiter und Faust geht überhaupt nicht zugrunde. Denken Sie mal, Ende des ersten Teiles im Faust, da ist er ja durch die Gretchentragödie für den Tod von vier Menschen verantwortlich.
Dem Gretchen, dem Kind, der Mutter und dem Bruder, dem Valentin. Das ist seine schwere Schuld, für den Tod von vier Menschen verantwortlich. Und man denkt, jetzt geht der zweite Teil des Faustes aber mindestens los, dass hier mal gegen Faust der Nürnberger Prozess eröffnet wird.
Also mal ordentlich hier. Nö, zweiter Teil des Faustes beginnt damit, dass Faust auftritt und eine freigehaltene Klassenstunde hält. Ja, auch nicht schlecht.
So des Lebenspulses schlagen frisch lebendig, da haben sie den ganzen Inhalt der Michael-Schule darin. Ich will das jetzt hier gar nicht außerhalb der vorgeschriebenen Regularien ausbreiten, aber ein Farbenbogen, der noch nicht zu einer Schale wird, aber trotzdem Träger des Lebens ist. Ja, Licht im Auge, das noch nicht lichtschaffend ist, sondern erst mal vom Augenschmerz blendet.
Flammenmeer, noch keine Flammenschrift, aber ein Flammenmeer. Wir stehen betroffen. Faust erhebt sich ja in die höchsten Ebenen der Michael-Schule und Goethe zeigt uns, es gibt eine Kraft in der Welt, die es weitergehen lässt, auch dann, wenn der Mensch gegen den Teufel, gegen Mephisto verliert.
Und was ist das für eine Kraft? Was zeigt er uns? Was hält die Welt im Innersten zusammen, wenn der Mensch luziferisch, arimanisch ins Schwanken gerät? Ja, im Faust scheint das die Kraft der Verwandlung zu sein, der Kraft der Metamorphose. Sie können das auch Christus nennen, da habe ich als Pfarrer nichts gegen, aber Namen sind ja Schall und Rauch. Im Prolog im Himmel wird gesagt, das Werdende, das alles wirkt und schafft.
Das ist das, was die Welt im Innersten zusammenhält, aber Goethe sagt uns das nicht im Sinne einer Weltformel. Goethe zeigt uns das, indem diese Kraft des Werdenden, das alles wirkt und schafft, immer dann, wenn Faust zum Augenblicke sagt, verweile doch, du bist so schön, indem er eine neue Hypothese aufstellt und hinter sein eigenes goetheanistisches Erkenntnisvermögen sozusagen zurückfällt, dass das Stück trotzdem weitergeht und Faust keineswegs zugrunde geht, sondern wir dürfen, das entdecken wir nur, wenn wir das Stück, den Faust eben selber, werdend betrachten. Ja, ist ganz interessant, also dann Anfang des zweiten Teiles, nachdem Goethe sagt, guck hin, ja, ein Mensch, der sich in schwere Schuld verstrickt hat, nach dem Prahlaia, Faust 1 und 2, wird der Faust erhebt sich in die höchsten Höhen der Michaelsschule.
Würden wir uns nicht ausdenken können, Goethe sagt, guck hin, ich zeige dir, was die Kraft der Metamorphose kann, die kann aus dem Letzten eben das Erste machen und das ist so das, was wir selber, insofern ist Faust als Goetheanist nicht nur ein Mysteriendrama des Goetheanismus, was Faust betrifft, es ist ein Mysteriendrama, in dem wir selber als Leser oder als Zuschauer im Grunde genommen selber Teil davon sind, weil wir entscheiden, mit welcher Wissenschaftsmethode wir den Faust wahrnehmen oder beobachten, in welcher Weise er in der Welt wirklich zur Geltung oder zur Reife kommen kann. Faust beginnt relativ bald mit dem Prolog im Himmel. Drei Erzengel, Raphael, Gabriel, Michael.
Die Sonne tönt nach alter Weise in Brudersphären Wettgesang und ihre vorgeschriebene Reise vollendet sie im Donnergang. Ihr Anblick, oder nachher heißt es der Anblick, gibt den Engeln Stärke, da keiner sie ergründen mag. Die unbeschreiblich hohen Werke sind herrlich wie am ersten Tag.
Auch die Erzengel sind reinste Goetheanisten. Anschauende Urteilskraft, werdendes Betrachten. Die unbeschreiblich hohen Werke, herrlich wie am ersten Tag, da keiner sie ergründen mag.
Goethe hat mal gesagt, sogar die Frage nach dem Warum ist eigentlich unwissenschaftlich oder man könnte sagen un-goetheanistisch, weil sie bereits von einer Hypothese ausgeht, dass die Welt zweckmäßig ist. Das ist schon eine Vorstellung. Die Engel sagen nicht, die Welt ist zweckmäßig.
Die Engel sind keine Intellektuellen, so Philosophen, die so mit einer Zigarre, warum gibt es denn unbeschreiblich hohe Werke, müssen wir mal ergründen oder so. Nein, so Martin Heidegger, warum ist das Sein und nicht das Nichts. Nein, die Engel sagen, schau hin, der Anblick gibt den Engeln Stärke, da keiner sie ergründen mag.
Die unbeschreiblich hohen Werke sind herrlich wie am ersten Tag. Ein stiller, reiner und beobachtender Blick, ein werdendes Betrachten, anschauende Urteilskraft, die einen Raum schafft, dass das Wesen der Dinge, die Schöpfung, die herrlich ist wie am ersten Tag, sich aus sich selbst heraus offenbaren kann. Und dann tritt Mephisto auf.
Mephisto ist das Prinzip der Spekulation, der Hypothese des Vorurteils der sich selbst gehorchenden Einbildungskraft. Was sagt er? Von Sonnen und Welten weiß ich nichts zu sagen. Ich sehe nur, wie sich die Menschen plagen.
Der kleine Gott der Welt, er nennt es Vernunft, braucht es allein, um tierischer als jedes Tier zu sein. Mephisto hat nur diesen einen Blickwinkel, diesen einen Augenblick, zu dem er sagt, verweile doch, du bist so schön, der sich plagende Mensch. Von Sonnen und Welten und der Schöpfung herrlich wie am ersten Tag, davon will er gar nichts wissen, sonst würde er wahrscheinlich wahrnehmen, dass selbst in der kleinsten Plage des Menschen Sonnen und Welten selber anwesend sind, um dem Menschen Entwicklung zu ermöglichen.
Und Mephisto hat diesen einen Aspekt herausgesucht und kommt zu dem einen Urteil, ein bisschen besser wird er leben, hättest du ihm nicht den Schein des Himmelslichts gegeben. Und jetzt kommt Gott, ja und Gott ist auch kein Intellektueller, der antwortet nicht auf das Prinzip der Hypothese von Mephisto mit einer Gegenthese, sondern Gott stellt Fragen. Hast du mir weiter nichts zu sagen? Ist es das Einzige, was du in dieser Schöpfung sehen kannst, dieser eine Blickwinkel, dieser eine Augenblick, aus dem du aus Sympathie, Antipathie gesagt hast, verweile doch, du bist so schön, um ihn als ein Urteil in deinem Erinnerungsvermögen abzuspeichern und immer dann, wenn du den Menschen siehst, dieses Urteil als einen abgespeicherten Augenblick, zu dem du mal gesagt hast, verweile doch, du bist so schön, wieder hervorzuholen.
Kommst du nur immer anzuklagen, ist dir auf Erden ewig nichts recht. Und dann sagt der Mephisto den einen Satz, der eigentlich die Quintessenz aller Hypothesen ist, nein Herr, ich finde, wie immer alles schlecht. Immer wenn man etwas findet, überlegen Sie mal, wie oft man am Tag sagt, ich finde, ich finde das und das.
Das ist halt immer Augenblicke, zu denen ich gesagt habe, verweile doch, du bist so schön. Jetzt wird eine Wette abgeschlossen um den Faust. Ja, der Faust, kennst du den Faust, den Doktor, meinen Knecht, sagt Gott.
Bisschen erstaunlich. Also der Christus sagt ja nicht mehr Knechte nenne ich euch, sondern Freunde. Gott nennt den Faust noch einen Knecht.
Es scheint so ein bisschen ein alttestamentarischer Gott zu sein. Und der Faust wird jetzt aus der Knechtschaft entlassen, in den Faust. Und es ist mindestens auch eine Wette um uns als Zuschauer, in welcher Weise wir uns unserer Tollheit halbbewusst sind, dass wir das Geheimnis, das Goethe da selber hineingelegt hat, das Geheimnis des Goetheanismus selber erfahren und wahrnehmen zu können, um selber zu entdecken, was die Welt im Innersten zusammenhält.
Ja, wenn sie sich mit dem Thema mal beschäftigen wollen, habe ich einen heißen Büchertipp für sie. Von einem Kollegen von mir, Erdmut Hörner, eine Publikation, die ist, glaube ich, noch nicht so alt, so acht Jahre, neun Jahre vielleicht. Der Goetheanismus als Wiedergewinnung der Trinität, ein urchristlicher Impuls.
Ein wunderbares Buch, dem ich auch viel zu verdanken habe, auch im Hinblick auf diesen Vortrag. Und das ist sozusagen ein Buch, um dem sowohl gereifte Goetheanisten sicherlich noch viel entdecken können und auch Dilettanten, die sich, so wie ich, die sich aber bemühen, ihrer Tollheit halbbewusst zu sein, da einen ersten Einstieg zu finden. Wo Sie sich da verorten, überlasse ich Ihnen selbst.
In jedem Fall könnte dieses Buch eine Bereicherung für Sie sein. Und er sagt, Erdmut Michael Hörner hat auch eine schöne, eine ganz eigene Beschreibung dessen, was Goetheanismus ist. Er sagt, Goetheanismus ist eine Methode, welche die heutigen Wissenschaften und ihre meist reductionistischen Methoden dadurch ergänzt, dass sie die einzelne Beobachtung in einen Zusammenhang mit anderen Beobachtungen stellt, sodass das Ganze einen Aufschluss über das Einzelne geben kann.
Also man muss die einzelne Beobachtung, das einzelne Phänomen in Zusammenhang mit anderen Phänomenen stellen. Und dann kommt man zu einem Ganzen, zu einem Urbild. Und dieses Urbild, dieses Ganze, was man dann vielleicht werdend betrachten erfahren kann, kann auch wieder einen Aufschluss über das einzelne Phänomen geben.
Und das finde ich deswegen sehr bemerkenswert, weil der Beginn des Faustes in der ersten Studierzimmer-Szene, da können wir durch das Schlüsselloch eines gescheiterten Goetheanisten schauen. Faust versucht erst mal so alle Details oder alle Phänomene seines bisherigen geistigen Weges zusammenzustellen. Habe nun, ach Philosophie, ist total goetheanistisch am Anfang.
Habe nun, ach Philosophie, Juristerei, leider auch Theologie durchaus studiert mit heißem Bemühen. Ich Amateur, bin so schlau als wie zuvor, Magister, Doktor, an die zehn Jahr, herauf, herab, herquer und krumm, meine Schüler an der Nase herum und sehe, dass wir nichts wissen können. Auch das ist noch keine Hypothese.
Das will mir schier das Herz verbrennen. Das sind alles Phänomene, die er in einen Zusammenhang stellt. Aber was dem Faust nicht gelingt, dass er diese Phänomene in ein Ganzes stellen kann und sich klar macht, das was ich hier gerade erlebe, meine Wissenschaft, mein bisheriger Lebensweg führt mich in ein Todeserlebnis.
Das kann er nicht. Sondern das Einzige, wodurch er kommt zu diesen ganzen Beschreibungen, ist eine Hypothese. Es möcht kein Hund so länger leben.
Das ist eine Hypothese. Ich habe keinen Bock mehr, sagt er. Das ist ein Vorurteil.
Das ist des Pudels Kern. Und diese Hypothese, dass Faust in der Aufeinanderreihung aller arimanischen Phänomene nicht zu dem Ganzen, zu der Wahrnehmung kommt, ich gehe in ein Todeserlebnis, das wird so zum Switchpunkt, dass er in das Reich Luzifers kippt und sagt, drum habe ich mich der Magie ergeben. Da kommt er aus dem Reich der arimanischen Wissenschaft, durch die Hypothese ins Reich der Magie, dass ich nicht mehr mit saurem Schweiß zu sagen brauche, was ich nicht weiß.
Schau aller Wirkenskraft und Samen und muss nicht mehr in Worten kramen. Und dann hat er also das Buch des Nostradamus erster Hand und will so die Irsche Brust im Morgenrot baden. Und dann sieht er tatsächlich das Ganze.
Die Engel, die da ineinander schweben und sich die Eimer reichen, wie eines nur ins andere webt, aber weil der Faust nur sehen kann, dass er nichts wissen kann, das ist der einzige Geist, den er begreifen kann, hat er kein werdendes Betrachten, kein anschauendes Urteil, das überhaupt in der Lage ist, die Lebendigkeit der geistigen Welt, die ihm da offenbart wird, so weit lebendig zu erfassen, dass er sie auf die Erde in die einzelnen Phänomene zurückholen kann. Und da bleibt ihm nichts anderes übrig, als zu sagen, ein Schauspiel, aber ach ein Schauspiel nur, wo fasse ich dich unendliche Natur. Erinnern Sie sich an Herrn Hörner, der gesagt hat, Goetheanismus ist eine Wissenschaft, die versucht, die einzelnen Phänomene möglichst zusammenzustellen, um ins Ganze zu kommen, kommt Faust nur in die Hypothese und dass das Ganze wieder einen Aufschluss über das Einzelne geben kann.
Da kommt Faust nur zum Schauspiel und das ist sozusagen ein Blick in das Schlüsselloch eines gescheiterten Goetheanisten am Anfang. Rudolf Steiner hat mal in seinem Grundlagenwerk, wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten, einen kleinen Satz gesagt, den wahrscheinlich die meisten Anthroposophen irgendwann mal gehört haben und dann lieber schnell wieder vergessen. Jede Idee, die dir nicht zum Ideal wird, nimmt dir Lebenskräfte und jede Idee, die dir zum Ideal wird, schafft dir Lebenskräfte.
Hat man irgendwo mal gehört, oder? Klingelt so. Lieber schnell vergessen. Welche Ideen sind uns Ideale geworden? Nun das Wort Ideal ist altgriechisch, heißt Urbild.
Man könnte auch sagen, jedes Phänomen, das du nicht ins Ganze führen kannst oder jedes Phänomen, dass du nicht als Urbild entdecken kannst, das nimmt dir Lebenskräfte und jede Idee, die dir zum Ideal wird, das schafft dir Lebenskräfte. Ich denke manchmal, das ist vielleicht eines der Gründe, warum so dynamische Politiker, die wir manchmal so im Augenblick auch so sehen, ja so ganz jung und dynamisch und so mit Lebenskräften, warum die so erfolgreich beim Wähler sind, weil der Wähler unbewusst versteht, aha, der hat Lebenskraft, also hat er Ideale, also hat er Ideen und wenn er Ideen hat, wähle ich ihn, weil jede Idee, die dir zum Ideal wird, schafft dir ja Lebenskräfte, also hat der, der Lebenskräfte hat, Ideale, also hat er Ideen, also kriegt er meine Stimme. Ja, Faust, Goethe kannte dieses Geheimnis, ich sag mal so blöd, diese Einstein-Formel der Lebenskräfte, weil der Grund, dass Faust ja in der Studierzimmer-Szene, dass seine Ideen nicht Ideale werden können, das erlebt Faust als eine Krise der Lebenskräfte.
Wo fasse ich die unendliche Natur, euch quellen alle Lebens, an denen Himmel und Erde hängt, ja ihr quellt und drängt, nach euch macht ich vergebens, total existenziell. Ja, so Goethe hat auch so eine Michaelische Rock-Opa geschrieben, das merkt man so am Anfang. Faust, wo kriege ich Lebenskräfte her, meine Ideen nicht Ideale werden und der Goethe hat das sogar so weit ausgeführt, dass der Faust diese Krise der Lebenskräfte aus diesem brennenden Herzen, das will mir schier das Herz verbrennen, ja wo, ihr quellen alle Lebens, dass die Brüste, die er da, ihr quellt und drängt, das versucht er zu kompensieren, diese Krise mit den Lebenskräften, weil seine Ideen nicht Ideale werden, weil er nur sehen kann, dass er nichts wissen kann, dass er im zweiten Teil des Faustes in der Gretchen-Tragödie eine Missbrauchsbeziehung mit einer Minderjährigen beginnt.
Da geht es jetzt nicht um eine verunglückte Liebesbeziehung, nein, nein, das was Goethe dort zeigt, ist ja ganz klar eine Missbrauchsbeziehung mit einer Minderjährigen und das Spannende ist aber, warum er das macht. Es geht nicht um sexuelle Ekstase, das hat Faust in der Walpurgisnacht, da liegt er bei Epstein im Pool und findet das total öde, so ein Typ ist das. Es geht nicht um Macht, alle Experten sagen immer Missbrauch, es geht immer um Macht, nicht im Faust.
Faust hat Macht in Auerbachs Keller, da geht es nicht ums Saufen, das sagen immer Leute, da geht es ums Saufen, nein, nein, der Mephisto zeigt ihm, wie man durch Magie Macht über Menschen bekommen kann, dem da so aus der Tresen dann so Wein fließt, dann werden die so hypnotisiert. Die meisten Menschen, die mit Mephisto auf Reisen gehen würden, würden über Auerbachs Keller nicht hinauskommen. Faust wird getestet, bist du ein Machtmensch, kick dich Macht und Faust sagt, nö, ist öde.
Wenn der Grund, warum Faust das tut, ja, warum er sich in der Hexenküche verjüngen lässt und sich an dieses Mädchen daran pirscht, kann ich nicht eine Stunde dir am Busen drängen, ist eine Krise mit seinen Lebenskräften, weil seine Ideen nicht ideale sind und das, was ihm da fehlt, die welke Brust, weiß nicht, ob Sie schon die welke Brust erlebt haben, das versucht er damit zu kompensieren, indem er diese Ätherkräfte des jungen Mädchens abgreift und damit sie zerstört. Das ist schon sehr abgründig, was Goethe dort zeigt, ja und dann geht das sozusagen weiter, dann kommt er in den Ostern, greift aber dieses Gesetz, ja, weil ihm die Lebenskräfte fehlen, der will sich suizidieren und dann greift dieses Gesetz der Metamorphose, die das Werdende, das alles wirkt und schafft, dass die Welt im Innersten zusammenhält und was geschieht? Faust geht nach draußen in die Natur, nachdem er sich erst suizidieren wollte und jetzt wird ein neuer Trieb geboren, in ihm, dieser stille, reine, beobachtende Blick, dieses Werdende betrachten, von dem Goethe selber gesprochen hat, mit dem seine Ideen Ideale werden können. Was hat er gemacht? Faust steht mit Wagner, seinem Assistenten, in der Abendsonne, der untergehenden Sonne, vor mir der Tag, hinter mir die Nacht und beobachtet die Sonne.
Die Sonne ist ein goetheanistischer Himmelskörper, weil die ja fortwährend ihre Positionen wechselt. Die Sonne ist ein fortwährendes Werdendes betrachten und Faust sagt, wie sagt er das, da wird etwas geboren, das ist so diese Welten-Mitternachtsstunde zwischen Tag und neuer Nacht, das ist der Osterspaziergang, doch scheint die Göttin endlich wegzusinken, allein der neue Trieb erwacht, ich eile fort ihr ewiges Licht zu trinken, vor mir der Tag und hinter mir die Nacht. Österlich wird dieses götheanistische Wahrnehmungsorgan in ihm geboren und damit kann Faust, als jetzt der Pudel da kommt, kann er den mit diesem stillen, reinen, beobachtenden Blick über die Schwelle hin verfolgen und sagt, siehst du den Hund dort durch Saat und Felderstreifen, siehst du den Feuerstrudel hinter ihm her, der kann die geistige Realität mit diesem neuen Trieb, der da in ihm geboren ist, über die Schwelle hin wahrnehmen und Wagner sagt, ey Faust, du quatschst immer von Götheanismus, ja das muss wohl Augentäuschung sein, du siehst einen Hund und kein Gespenst ist da.
Solchen Trieb habe ich noch nie empfunden, sagt er, man sieht sich leicht an Wald und Feldern satt und wie wusste schon Gottes, Menschentätigkeit kann allzu leicht erschlaffen. Faust vergisst diesen neuen Trieb und fängt an in der Studierzimmerszene wieder aus Hypothese und Vorstellung den Prolog in eine totale Abstraktion zu übersetzen und was passiert dann? Aber ach, schon fühle ich bei dem besten Willen Befriedigung nicht mehr aus dem Busenquillen, aber warum muss der Strom so bald versiegen und wir wieder im Durste liegen? Da ist diese welke Brust wieder anwesend und jetzt muss der Teufel, der reizt und wirkt und als Teufel schafft, Gott hat da recht, jetzt den Faust ein bisschen in Bewegung bringen, damit dieser neue Trieb, der da im Osterspaziergang in ihm geboren ist, mit dem er Phänomene über die Schwelle hin beobachten kann, dass der sich weiterentwickeln kann und was passiert in dieser Szene Wald und Höhle? Da merkt man, obwohl Faust schon angefangen hat, nach Hexenküche Auerbachs Keller sich an das Gerätchen heranzupirschen, dass da fortwährend etwas von diesem gothianistischen Wahrnehmungsorgan in ihm weiter geboren wird. Erhabener Geist, du gabst mir alles, du hast mir nicht umsonst dein Angesicht im Feuer zugewendet, gabst mir, wie sagt er das, gabst mir die Natur zum Königreich, Kraft sie zu fühlen, zu genießen, nicht kalt staunenden Besuch erlaubst du nur, vergönnest mir in ihre tiefe Brust, wie in den Busen eines Freunds zu schauen und dann wird von einer strengen Lust gesprochen.
Das ist dieser stille, reine und beobachtende Blick, der nicht abirrt, nicht in eine sich selbst gehorchende Einbildungskraft verfällt und dann heißt es, geheime tiefe Wunder öffnen sich in seiner Brust. Da könnte das Stück bei Richard Wagner zu Ende sein. Faust ist zum Gothianisten geworden, der hat das.
Es ist ja ein Drama der Brust, das brennende Herz, die irtsche Brust, die im Morgenrot gebadet werden will, die welke Brust, die Brüste alles Lebens, die Brüste des Mädchens, dann die geheime tiefe Wunder in der Brust. Faust ist zum Gothianisten geworden, der hat das tatsächlich jetzt ergriffen, was er da eigentlich gesucht hat und was sagte er im nächsten Moment, wo man denkt, das Stück ist eigentlich vorbei. Moment, Halt und Höhle, wo ist denn das hier? Der sagte, oh, dass dem Menschen nichts Vollkommenes wird, empfinde ich nun.
Wird diese strenge Lust ausgebildet, geheime tiefe Wunder in meiner Brust, sagte als nächstes, oh, dass dem Menschen nichts Vollkommenes wird, empfinde ich nun. Du gabst zu dieser Wolle, die mich den Göttern naht und näher bringt, mir den Gefährten, Mephisto, den ich schon bald nicht mehr entbehren kann. Da tritt so eine Art Schwächling im Fühlen auf, als Faust ja diese geheime tiefe Wunder der Brust, diese strenge Lust erbildet hat und man merkt, ab dem Moment ist Mephisto nicht mehr Lucifer Arrimann, sondern tritt eigentlich in der Gestalt der drei Tiere auf, Zweifel, Furcht und Hass.
Auch im ganzen zweiten Teil des Faustes, nachdem er sich da in die Michaelsschule erhebt, Zweifel am Kaiserhof, Furcht nach dem Verlust der schönen Helena und Hass, Philemon und Bautzis. Und aus diesem Wahrnehmungsorgan, das ihm da also geboren wird, kann er sich bis in die Sphäre der Michaelsschule erheben und Goethe sagt, obwohl der Faust, für den Faust gibt es keine mildernden Umstände, obwohl er eigentlich sich das geistig erworben hat, was er sucht, macht er das mit dem Gretchen trotzdem. Es ist wohl so, sagt Goethe, der Satz von Gott, ein guter Mensch in seinem dunklen Drange ist sich des rechten Weges wohlbewusst.
Na ja, Goethe sagt, ein guter Mensch in seinem dunklen Drange kann sich des rechten Weges wohlbewusst sein und kann trotzdem das Böse tun. Der Mensch ist eben frei, der wird vom Knecht zum Faust entlassen und ob er zum Freund wird, ja wie Christus sagt, nicht mehr Knecht nenne ich euch, sondern Freunde, das ist in die Freiheit des Menschen gestellt. Vielleicht ist es ein bisschen das, was Rudolf Steiner im Blick hatte, als er mal gesagt hat, Anthroposophie macht die meisten erst mal schlechter.
Es ist nicht so, weil jemand die Anthroposophie entdeckt, wird er ein moralischer Mensch. Manchmal wird er ein unmoralischerer Mensch. Bei Faust kann man das sagen.
Der ist zum Goetheanisten geworden, da tritt dieser Schwächling im Fühlen auf und obwohl er jetzt eigentlich die Möglichkeit hat, vom Knecht zum Faust zum Freund zu werden, zerstörte er das Gretchen und seine Familie. Also Sie merken ja, dieser Titel, den ich dem Ganzen gegeben habe, Faust als Goetheanist, ist nicht irgendein Spleen von mir, sondern das ist das Mysteriendrama des Goetheanismus und es fordert uns selber heraus, als Goetheanisten dieses Mysteriendrama selber auch zu entdecken. Der Anthroposoph Anton Kimpfler hat mal ein sehr schönes Bild geschaffen, die menschliche Biografie mit dem Jahreslauf zu verbinden.
Haben Sie vielleicht mal gehört, ist nicht von mir, habe ich von ihm übernommen, finde ich aber sehr schön. Er hat gesagt, als Menschen, wenn wir Kinder sind, sind wir in der Herbstzeit unserer Biografie, nicht im Frühling, in der Herbstzeit. Warum? Wir haben so Baumknospen, mit diesen Baumknospen, das sind unsere vorgeburtlichen Impulse, aber wir haben auch ganz viel vergilbtes Laub.
Kimpfler nennt das herbstlichen Nachklang. Wenn Sie vor einer Schulklasse stehen, dann haben Sie vergilbte Laubbäume und darunter ganz viele Baumknospen. Das ist eben das, was wir so als ungelöste Charaktereigenschaften oder als Doppelgängerkräfte oder als unbearbeitetes in unsere Biografie mitbringen.
Es waren nicht alles die Eltern, was die lieben Menschen, die haben ja eigentlich die Aufgabe, uns zu helfen, dieses vergilbte Laub, das wir aus einem früheren Leben mitgebracht haben, dass das an uns abfallen kann, dass diese Baumknospen, mit denen unsere eigentlichen Impulse ja wachsen sollen, dass die möglichst erblühen können. Und dann sagt er, wenn wir so 18 werden volljährig, diese Zeit zwischen 18 und 30 oder Mitte 30, dann sagt er, das ist die Winterzeit unserer Biografie. Da sind diese Baumknospen ja noch ganz klein, meistens vereist unter einer Eisdecke.
Man muss gucken, dass die irgendwie nicht kaputt gehen. Vielleicht ist man deswegen auch so cool in diesem Alter. Ich bin so in der Winterzeit meiner Biografie und habe diese kleinen Baumknospen, die irgendwie gucken müssen, wie sie in dieser winterlichen Engführung trotzdem lebendig bleiben.
Wenn man so Mitte 30 ist, ab dem zweiten Mondknoten, dann kommt man in die Frühlingsphase. Jetzt geht es darum, dass diese österliche Frühlingssonne, meine Baumknospen, die ich mir als vorgeburtlichen Impulse mitgebracht habe, die aber erst jetzt in der Frühlingsphase überhaupt wachsen können, dass die anfangen können aufzugehen. Dass die Frühlingsphase meiner Biografie ein Osterspaziergang wird und keine Midlife-Crisis.
Weil daran entscheidet sich das, ob das Alter, in das ich dann eintrete, sozusagen zu reife gebrachte Früchte der Welt zur Verfügung stellen kann. Natürlich auch neues Herbstlaub. Im Sommer fangen die Bäume an zu welken.
Als älterer Mensch bin ich in der Sommerzeit. Ich kann hoffentlich diese Früchte der Welt zur Verfügung stellen, aber ich habe auch neues vergilbtes Herbstlaub ausgebildet. Das muss ich dann wieder mitnehmen, wenn ich das nächste Mal als Kind komme und dieses Herbstlaub mitbringe.
Goethe hatte eine ganz wunderbare Phase, diese Frühlingsphase seiner Biografie, die zu einem Osterspaziergang geworden ist. Goethe hat mit Mitte 30, wo diese Frühlingsphase der Biografie beginnt, da hat er seine italienische Reise unternommen. Und er hatte eine Frage, er hatte dieselbe Frage wie Faust, die hat er nur anders genannt, was die Welt im Innersten zusammenhält.
Die Frage nach dem Werdenden, das alles wirkt und schafft. Das Gesetz alles Lebendigen, der Pflanzenerzeugung, die Metamorphose der Pflanze ist eigentlich wie von einer anderen Seite die Frage, die Faust stellt, was die Welt im Innersten zusammenhält. Es gibt ein zweites Buch, kann ich Ihnen sehr empfehlen, Martin Ingbert Heidel Persephone Goethes Reise zu den Urbildern.
Da hat er beschrieben, ich glaube er war der Erste, der das herausgearbeitet hat, Goethe ringt dort auch mit einem brennenden Herzen in Italien nach der Frage, nach der Urpflanze, nach diesem Urwesen, dass allen Pflanzenartbildern als schaffendes Prinzip hinter dem Schleier der Sinneswelt schaffend dort selber hinein wirkt. Und Martin Ingbert Heidel hat das herausgearbeitet, wie Goethe dann auf einer Überfahrt von Palermo nach Neapel ein Christuserlebnis hatte in Seenot und dort so ein Initiationserlebnis gehabt hat, ja durch den Christus, mit dem er sich verbindet als der Herr der Elemente bei Tiberias. Da sagt er, und da kann ich innerlich gut mit, dass das so ein Moment gewesen sein kann, wo vor Goethes stillen, reinen und beobachtenden Blick, vor seinem werdenden Betrachten, dieses Gesetz der Urpflanze oder diese Metamorphose der Pflanze dort vor seinem Blick gestanden hat.
Und er hat ja nur in seinen Briefen, glaube ich, und Tagebuchblättern von der Urpflanze gesprochen, sonst nennt er das die Metamorphose der Pflanze. Da hat er mir so ein Hexameter darüber geschrieben. Ja, wie viele Pflanzen gibt es eigentlich in der Welt, was denken Sie? So Schätzung? Weiß das jemand? Ich glaube so 300.000 oder 400.000, ich weiß es nicht ganz genau.
Stellen wir mal vor, 300.000, 400.000 verschiedene Pflanzen. Ja und Goethe ist im botanischen Garten in Palermo und sagt, alle Gestalten sind ähnlich, keine gleiche der anderen. Und so deutet das Chor auf ein geheimes Gesetz, auf ein heiliges Rätsel.
Oh könnte ich dir, liebliche Freundin, überliefern sogleich glücklich das lösende Wort. Werden, betrachte sie nun, wie nach und nach sich die Pflanze stufenweise geführt, bildend zu Blüten und Frucht. Alle 300.000, 400.000 Pflanzen.
Goethe spricht von einem Blumengewühl. Er sagt, aber hinter denen ist ein geheimes Gesetz, ein lösendes Wort. Und er sagt dort in diesem Hexameter, jede Pflanze verkündet dir die ewigen Gesetze.
Alle 400.000 Pflanzen, alle Artbilder, der Pflanzenwelt studiert hat, wenn man vielleicht gar nicht kann in einem Leben, jede Pflanze verkündet dir ein lösendes Wort, ein ewiges Gesetz. Der erste Schritt der Metamorphose der Pflanze ist für Goethe Verkündigung. Verkündigung eines lösenden Wortes oder eines ewigen Gesetzes.
Dann beschreibt er in einem zweiten Schritt, einfach quillt in dem Samen die Kraft ein beginnendes Urbild und dann geht das durch die Blattwerdung und die Säfte, die dort steigen, bis dann in diesem zweiten Schritt jede Pflanze farbige Blätter zu einem Kelch entlässt. Erster Schritt für Goethe, Metamorphose der Pflanze. Jede Pflanze verkündet dir die ewigen Gesetze.
Der zweite Schritt, jede Pflanze aus einem Samenkorn über die Blattbildung entlässt farbige Blätter zu einem Kelch. Und dann heißt es über diesen Kelch, aber die Herrlichkeit wird des Neuen Schaffens Verkündigung. Ja, das farbige Blatt fühlt die göttliche Hand und zusammen zieht es sich schnell die zärtesten Formen.
Zwiefach streben sie vor, sich zu vereinen bestimmt. Traulich stehen sie zusammen, stehen die Holdenpaare beisammen. Zahlreich ordnen sie sich um den geweihten Altar.
Hymnen schwebet herbei und herrliche Düfte gewaltig, strömen süßen Geruch, alles belebend empor. Also dieser Kelch, der aus farbigen Blättern entsteht, da greift eine göttliche Hand ein, eines Neuen Schaffens Verkündigung. Hymnen schwebet herbei, das wird zu einem geweihten Altar und in diesem Kelch findet eines Neuen Schaffens Verwandlung statt.
Dieser dritte Schritt der Metamorphose der Pflanze ist für Goethe Verwandlung. Ein Altar, Hymnen schwebet herbei, eines Neuen Schaffens Verkündigung. Und dann das letzte heißt es, die unzähligen Keime, die Schwellen in den Mutterschoß schwellender Früchte gehüllt und hier schließt die Natur den Ring der ewigen Kräfte, doch die Kette sich fort in alle Zeiten verlängere und das Ganze belebt, so wie das Einzelne sei.
Dieser letzte Schritt in der Metamorphose der Pflanze beschreibt die Samenbildung. Merken Sie, was der Goethe da entdeckt hat? Was die Urpflanze ist, die Metamorphose der Pflanze? Eine Menschenweihe-Handlung, ein viergliedriger Kultus. Das ist nicht irgendein Ding, ein Gestrüpp.
Goethe hat entdeckt, in jeder Pflanze das geheime Gesetz, das lösende Wort, ist eine liturgische Handlung, ein liturgisches Gewebe, eine Weihe-Handlung, das hinter dem Sinnesteppich schaffend in der Natura selber wirkt. Vielleicht ist es das, dem er als siebenjähriger Knabe, wo er der Natur ein Opfer auf einem Altar bringen wollte, der Altar geht in Flammen auf und dann Goethe da versucht hat, schon diese liturgische Handlung, diese Metamorphose, diese Menschenweihe- Handlung hinter dem Sinnesteppich der Natur, die als Gesetz des Lebendigen in die Natura selber hineinwirkt, einen Gottesdienst zu vollbringen. 30 Jahre später steht das vor seinem werdenden Betrachten, vor seinem anschauenden Urteil, von seinem stillen, reinen und beobachtenden Blick.
Und Goethe sagt, die Urpflanze wird ein Modell sein, um das mich die Natur selber beneiden wird. Man kann um dieses Modell Pflanzen in uns Endliche neu erfinden. Und vielleicht kann man sagen, die erste Pflanze, die Goethe aus dem Modell der Urpflanze, die wie eine Menschenweihe-Handlung ist, selber erzeugt und der Natur entgegengestellt hat, ist sein Märchen von der grünen Schlange und der schönen Lilie.
Das ist ein aus den Gesetzen der Urpflanze erzeugte Pflanze, die Goethe der Natura entgegenstellt, denn auch dieses Märchen hat die vier Schritte. Denn es ist an der Zeit Verkündigung, das Opfer der Schlange, der unterirdische Tempel, der verwandelnd auf der anderen Seite emporgeht und dann wie in einer Kommunion diese Brücke, die beide Seiten miteinander verbindet. Sie merken die Weiheier-Handlung, das Modell der Metamorphose der Pflanze und auch Goethes Märchen.
Ja, das ist eines. Und da merkt man, dass der Goethe durch diesen stillen, reinen, beobachtenden Blick, der erfahren weiß, was die Welt im Innersten zusammenhält, sich das Organ ausbilden konnte, mit dem dieser Michael-Kultus aus der geistigen Welt so weit in ihn einströmen konnte, dass Goethe selber mit diesem Wahrnehmungsorgan in das Reich des Lebendigen selber vordringen konnte und zu den Pflanzen der Natur mit dem Märchen eine eigene Pflanze der Natur entgegenstellen konnte. Goethe hat diese Frühlingsphase seiner Biografie in einen Osterspaziergang verwandelt und konnte jetzt diese Früchte, die er da erworben hat, in den zweiten Teil des Faustes so weit hineinführen, dass er dann am Schluss sogar den Faust, es lebenspulsisch, schlagenfrisch, lebendig, diesen ganzen Inhalt der Michael-Schule selber wahrnehmen kann.
Also da merkt man Goethe selber und Goethe ist nicht nur Goethe als Faust, ein Mysteriendrama des Goetheanismus. In dem Jahr 1923, langsam lege ich zum Landeanflug ein, keine Sorge, Sie haben schon viel an Inhalt aufgenommen, da gab es in der anthroposophischen Bewegung eine tiefere Krise. Man spricht so von dem Schicksalsjahr 1923, das war so eine Krise, die Ihnen vielleicht auch heutige Verhältnisse vielleicht vertraut oder bekannt vorkommt, das war eine Krise zwischen Alt und Jung.
Hören wir gerade so in den Medien, Generation Z oder Gen Z, ich kann das gar nicht aussprechen, wir leben in einer Zeit der Spaltung, ja erst Corona, dann Ukraine, dann Israel, Gaza, dann die Spaltung der Geschlechter, jetzt gibt es eine neue Spaltung, die Spalte zwischen Alten und Jungen Menschen und diese Spaltung hat sich in diesem Schicksalsjahr 1923 offenbar auch so weit in der anthroposophischen Bewegung deutlich gemacht, dass die älteren Menschen sich mit den Jüngeren nicht mehr verstanden haben. Die Menschen in der Frühlings- und Sommerphase ihrer Biografie haben sich nicht mehr verstanden mit den Menschen in der Herbst- oder in der Winterzeit und das führte zu dem, was wir ja dann vielleicht auch von heute kennen, die Alten saßen in ihren Zweigen und in ihren Gemeinschaften und hatten so das Gefühl, warum geht das denn nicht weiter, die Jungen hatten auch nicht so richtig Lust zu kommen, ja und man mochte sich auch gegenseitig nicht, Steiner hat es mal in das Wort gefasst, die Alten wissen alles, aber wollen nichts tun, die Jungen wissen nichts, aber wollen alles tun. Es war halt ziemlich schwierig und da hat man Ruder Steiner gefragt, warum das eigentlich so ist, ja zwischen den Generationen, ob das normal ist und da hat er einen Satz gesagt, der mich immer sehr beschäftigt, weil er das Gegenteil ist von dem, was ich selber immer dachte.
Er hat gesagt, die menschliche Seele, besonders die des jungen Menschen, ist immer so geartet, dass sie sich von dem angezogen fühlt, was ihr entgegengesetzt ist. Damit wollte er sagen, ja in einem gesunden Geistesleben hätten die Jungen den starken Impuls zu den Älteren hinzugehen, die Menschen aus der Winterphase zu den Menschen aus der Frühlings- und aus der Sommerphase. Hat mich erstaunt, wussten sie das? Ich dachte immer so, als Pfarrer arbeitet man gut, wenn nur mit den Älteren eine Bildungsreise nach Tschadre und mit den Jungen halt Stockbrot machen oder so, ist ein bisschen fantasielos, weiß ich schon, aber ich will ja auch zuspitzen.
Nein, sagt Steiner, die menschliche Seele, besonders die des jungen Menschen, ist immer so geartet, dass sie sich immer von dem angezogen fühlt, was ihr entgegengesetzt ist. Also er hat gesagt, eigentlich müsste es so sein, dass die Alten und Jungen in der anthroposophischen Bewegung zusammenkommen und dann hat er analysiert, woran das liegt und es ist ein Problem, das hat sich glaube ich nach 100 Jahren noch nicht so wesentlich verändert und hat erst mal den älteren Menschen einen Brief geschrieben, was ich der älteren Generation in dieser Sache zu sagen habe. Machen sie sich auf was gefasst, der hat es in sich.
Steiner hat nicht die Schuld verteilt, sondern hat eigentlich versucht, beiden Seiten einen Spiegel vorzuhalten, auch den Jungen und zwar, was die jeweils anderen an ihnen erleben. Und da hat er also gesagt, es steht in diesem dicken Band Konstitutionsdebatte, den immer keiner liest, weil der so erschreckend dick ist, da ist aber einiges drin an Perlen zu entdecken und er sagte also, der Ältere, das erleben die Jüngeren am Älteren, der ist zwar an Jahre älter, aber der hat vieles nicht zur menschlichen Reife gebracht und das spricht aus dem alt gewordenen Gehirn wie aus dem Jungen und der Junge spürt seine eigene junge Seelenverfassung in den alt gewordenen Körpern und wendet sich ab und die Jugend wendet sich nicht von den Älteren ab, weil die alt geworden ist, sondern weil sie zu jung geblieben ist, weil die Älteren so diese Frühlingsphase ihrer Biografie verpasst haben, etwas zur Reife zu bringen und damit statt in einen Osterspaziergang mehr so in eine Midlife-Crisis gekommen sind und das tut weh. Also nehmen sie es nicht persönlich, mich hat es verletzt, bin auch 47.
Manchmal gibt sich doch Mühe, natürlich hat man Probleme, es ist auch noch Schuld, dass die jungen Menschen nicht kommen. Also ein bisschen, also wenn sie einem 17-Jährigen sagen, hast du nicht mal Lust zu uns in den Zweig zu kommen, du hast doch immer so viele Fragen, dann wird der sagen, was soll ich da, das sind doch nur alte Menschen. Was der meint, das sind mir zu viele Jugendliche mit grauen Haaren.
Wenn da ältere Menschen wären, würde ich wahrscheinlich kommen, ich habe wirklich viele Fragen. Gut, Steiner hat aber auch den Jungen auch einen Spiegel vorgehalten und wenn die dann nicht auch verletzt waren, dann kann das nur daran liegen, dass die nicht verstanden haben, was er meint. Er hat doch gesagt, was die Älteren an den Jungen heute erleben und er sagt, die Jugend kritisiert gern, das ist ihr gutes Recht und er sagt, hört man aber als älterer Mensch heute die Jugend sprechen, hat man immer das Gefühl, wie alt klingen doch diese Reden aus dem Jugendmunde.
Das sind die Ideen, die der Junge bei den Alten gefunden hat und die er vergreist übernimmt. Also der ältere Mensch hat immer das Gefühl, wenn er einem Jungen heute begegnet, in der Winter- oder in der Herbstzeit seiner Biografie, der ist gar nicht jung. Der hat zwar einen jungen Körper, aber dahinter steckt ein alter Greif, der völlig vergreiste Ideen und man könnte sagen sehr viel herbstlichen Nachklang in seiner Biografie mitgebracht hat und das ist der Grund, warum ältere Menschen dann gerne auch über die Jüngeren schimpfen.
Irgendeine Anthroposoph hat mal gesagt, was nach uns kommt, ist Schrott. Wahrscheinlich ist das eine Haltung, die ist Gefahr, dass man die irgendwann ausbildet. Also wenn zu Ihnen ein Junger kommt und sagt, hast du nicht mal Lust auf meine Friday for Future Demo mitzukommen? Oder so geht es um Klimaschutz und so, dann werden Sie sagen, du ich habe gerade meinen Hexenschuss, aber ich finde es ganz toll, dass du das machst.
Sie wollen ja nicht demoralisieren. Was Sie eigentlich meinen, wenn Sie den so hören, Friday for Future, da sind mir zu viele Greise in Markenklamotten und schicken Turnschuhen. Wenn da junge Leute wären, würde ich kommen, aber ich bin doch erst 70, ich muss doch nicht jetzt schon in die Ganztagspflege.
Generation Z, so diese Rollstuhl-Relator-Revolution, die da jetzt alles draußen demoliert. Das ist das, was unterbewusst bei ihnen läuft. Und Steiner sagt, ist der Grund, was Ältere immer an den Jungen erleben in dieser Herbstzeit ihrer Biografie.
Ja, so am Anfang in dieser winterlichen Engführung und das ist der Grund, warum die Generationen sich nicht verstehen. Obwohl die menschliche Seele sagt, ja besonders die des Jungen, eigentlich so geartet ist, dass sie sich immer von dem angezogen fühlt, was ihr eigentlich entgegengesetzt ist. Jeder junge Mensch guckt auf den Älteren und sagt, ich bin ein Laubbaum, ich bin vergreist, ich bin total alt, kann ich mich an dir verjüngen und hat das Problem, dass der an Jahre ältere Mensch in der Frühlingsphase seiner Biografie meistens ein in Hexenküchen verjüngter Faust ist, der aber total locker ist, so mit 70 zum Deep Purple Konzert und so alt bin ich doch noch gar nicht und es verpasst hat, ja diese strenge Lust, diesen stillen, rein beobachtenden Blick.
Der Junge will wissen, sind deine Ideen Ideale geworden? Hast du diese Äterkräfte, diese Lebenskräfte ausgebildet, an dem ich mich verjüngen kann und hat eben das Problem mit einem in Hexenküchen verjüngten Faust zu tun zu haben, aber hören sie mal die Szene zwischen Faust und Gretchen, da merkt man schon, Goethe kannte dieses Gesetz. Wer sagt das, Gretchen, das stellt ja erst mal eine Frage. Faust, wie hältst du es mit der Religion? Bisschen plumpe Frage, aber eigentlich ganz schön, wenn ein junger Mensch sowas fragt.
Der Faust hat ganz andere Interessen, der will jetzt nicht über Philosophie quatschen, der will mit dem Gretchen ins Bett und das ist sein Interesse mit der Jugend. Der Allerhalter hält ja nicht dich, mich, sich selbst und so und er kommt vom Gretchen so, Faust, du gehst nicht in die Kirche. Faust, wann warst du das letzte Mal in der Beichte? Faust, du erhst nicht die heiligen Sakramente.
Hören sie das, aus dem Gretchen spricht eine kleine Omi in Stützstrümpfen, so Eierlikör und Schwarzwälder Torte, so ein vergreistes Mädchen in einem jungen Körper. Du erhst nicht die Sakramente. Faust, zieh dir eine Maske an, hätte das Gretchen gesagt in der Corona-Zeit.
Erhst nicht die Sakramente. Ich irre sie, Baby, sagt er. Ich habe hier so ein kleines Fläschchen.
Kannst du der Mama mal in den Trunk tun, Tee tun? Da kannst du heute Nacht sehen, wie ich die Sakramente irre. Das ist so, der an Jahren ältere Mensch, ein in Hexenküchen verjüngter Faust und die vergreiste Jugend, die aber eigentlich die Frage hat, sind deine Ideen Ideale geworden? Hast du die Lebenskräfte ausgebildet, an denen ich mich verjüngen kann? Und das ist eigentlich die Tragik oder die Tragödie. Faust, ein Mysterien-Drama des Goetheanismus, wo man ja bis heute fragen kann, wo stehen wir da? 100 Jahre nach Beginn der Anthroposophie, stark eine Wagner-Anthroposophie.
Zwar weiß ich viel, doch möchte ich alles wissen. Das Einzige, was wir tun können, ist uns unserer Tollheit halb bewusst werden und versuchen vielleicht so in eine faustische Anthroposophie ein Wahrnehmungsorgan, eine strenge Lust, ein werdendes Betrachten, um die Lebens- oder Äterkräfte zur Verfügung zu stellen, die die Weltenbrüste der eigentliche Klimawandel einer verdorrenden Welt heute sozusagen zur Verfügung stellen kann. Also Goethe ist da vermutlich schon sehr modern und sie merken meinen Titel, Faust als Goetheanist.
Goethe hat das Mysterien-Drama des Goetheanismus geschrieben und das hat nicht nur für heute, sondern bis in weite Zukunft eine Bedeutung. Als allerletztes vielleicht, Äterkräfte, Lebenskräfte. Rudolf Steiner hat ja unterschieden, dass er gesagt hat, es gibt nicht nur vier Elemente, Feuer, Wasser, Luft, Erde.
Es gibt auch vier verschiedene Äterarten, einen Wärmeäter, der für die Zeit zuständig ist, einen Lichtäter, der das Raumende in der Welt bewirkt, einen Klangäter, der symmetrische Formen schafft und alles bilden kann und einen Lebensäter, der Halt, der Ganzt, den man als Lebenskräfte sozusagen bezeichnen kann. Und diese Äterkräfte ja nach dem Untergang der alten Atlantis, durch den Missbrauch der Äterkräfte, scheinen die sich in den Mysterien geteilt zu haben. Diese Bemeisterung des Wärmeäters kann man im Westen finden, in Mexiko, in Schitzenitzer.
Das sind so der Maya-Kalender, das sind so begehbare kosmische Kalender. Eine Kultur, die die Meisterschaft über den Wärmeäter hatte. Der Süden, die Pyramiden, die Hermetik, das ist Lichtäter, raumenspitz zulaufend, Hermetik von oben und unten, das soll das Leben dasselbe sein.
Der Osten hat den Klangäter, das Om, den Omani, die ganze Welt, die Schöpfung ist aus dem Klang entstanden und der Norden hat den Faust. Faust als Mysteriendrama des Götheanismus, als eine Frage, wie können Ideen Ideale werden, dass unsere Weltenbrüste, die Quellen all des Lebens, die Lebenskräfte als solches erwerben kann. Schon bei Odin geht es um das Otruria, um den Lebensäter.
Also der Westen hat den Maya-Kalender, den Wärmeäter, der Süden hat die Hermetik, die Pyramiden, den Lichtäter, der Osten hat den Klangäter, das Om, das Yoga, des Omani, Padma Hum und Faust als Mysteriendrama des Götheanismus. Der Norden muss den Lebensäter als solches bemeistern und das ist die Frage Faust als Götheanist, indem er in diesem Mysteriendrama eigentlich alle Wege, alle Abgründe, die der Mensch als solches dadurch messen muss, als solches darstellt, damit wir uns selber daran aber auch Götheanisten werden und uns daran verjüngen können. Und als allerletztes, damit entlasse ich Sie dann, jemand hat mal so eine kleine Postkarte des ersten Götheanums, können Sie das alle vor sich sehen? Das erste Götheanum, ja, Götheanum, ja, Götheanum, Götheanist, ja, Götheanum.
Und so mit diesen Hobobstbäumen, diesen blühenden und er hatte da drunter geschrieben über dieses erste Götheanum, AKW Dornach, der welterstes Ätherkraftwerk. Das fand ich genial. Das Götheanum ist ein AKW, aber kein Wasserstoff-AKW, sondern ein Ätherkraftwerk.
Das ist Götheanismus, das ist der Norden. Der Westen Wärmeäther, Maya-Kalender, Süden Hermetik, Licht, Osten Klang, ja, um der Norden das AKW des Götheanums, des ersten Ätherkraftwerkes. Und Faust als Götheanist soll uns helfen, so ein Ätherkraftwerk, so ein AKW Dornach als solches auszubilden.
Und ich selber habe das Ideal, dass wir das schaffen sollten. Herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit.
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A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar Z
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A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar 0-9
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